Die wichtigsten zufälligen Erfindungen

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Wichtige Erfindungen sind nicht immer das Resultat gezielter Forschung, sondern oft Zufallsprodukte. Der Begriff „Serendipity“ umschreibt dieses Phänomen. Serendipity (engl.), oder auch Serendipität, bezeichnet Vorgänge, bei denen nach bestimmten Dingen geforscht oder gesucht wird, mit dem Resultat, dass ein völlig anderes, häufig bahnbrechendes Ergebnis erzielt wird, dass nichts mit dem ursprünglich gewünschten zu tun hat. Der auch als Serendipity-Prinzip bzw. Serendipitätsprinzip bezeichnete Effekt ist dabei nicht exakt mit dem Begriff „glücklicher Zufall“ gleichzusetzen, sondern betont den Aspekt der „intelligenten Schlussfolgerung“ und der Findigkeit in Folge der begonnenen Untersuchungen. Die Bezeichnung entstand vermutlich in Anlehnung an das alte persische Märchen „Die drei Prinzen von Serendip (= Sri Lanka, vormals Ceylon)“, in dem die Prinzen mehrere solcher Entdeckungen machen.

Ein Beipiel für Serendipity: Die Erfindung des Röntgenapparates

Wilhelm Konrad Röntgen entdeckte die nach ihm benannten Strahlen im Jahre 1895. Bei seinen Forschungsarbeiten mit der Kathodenstrahlröhre an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ließ er zufällig ein speziell beschichtetes Papier in der Nähe der Röhre liegen. Dieses fluoreszenzfähige Material leuchtete, als es von der Röhre bestrahlt wurde. Aus der Tatsache, dass das Papier auch nach dem Abdunkeln der Kathodenstrahlröhre (mit schwarzer Pappe) noch weiter leuchtete, leitete der Physiker die Existenz der „X-Strahlen“ ab, wie sie auch heute teilweise noch genannt werden. Auf den von ihm wenig später entwickelten Röntgenapparat meldete er kein Patent an, sodass dessen Nutzung in Arztpraxen nichts im Wege stand. Sechs Jahre später erhielt Röntgen, auch wegen der praktischen Bedeutung seiner Entdeckung, den Nobelpreis für Physik.

Per Zufall entdeckt: Penicillin

Alexander Fleming, beschäftigt am St. Mary´s Hospital in London, präparierte 1928 eine Platte mit Agar-Nährlösung für Bakterien, um Staphylokokken zu züchten und ging dann in die Sommerferien. Nach seiner Rückkehr entdeckte er, dass sich auf der Platte ein Schimmelpilz gebildet hatte, in dessen näherer Umgebung sich die Bakterien nicht vermehrt hatten. Aus dem Nährmedium konnte er einen bakterientötenden Stoff gewinnen, den er nach dem Pilz (Penicillium notatum) Penicillin nannte. Obwohl dieser sich als verträglich für den Menschen erwies, kam Fleming jedoch nicht auf die Idee ihn als Medikament einzusetzen. Dies geschah erst ca. 10 Jahre später durch E. B. Chain und H. W. Florey, die dafür zusammen mit Fleming 1945 den Medizin-Nobelpreis erhielten. Von der Bevölkerung wurde Penicillin, während und nach dem zweiten Weltkrieg, als Wundermedizin angesehen, denn es war erstmals möglich, Wundinfektionen zu verhindern, die noch lange nach Behandlung einer Verletzung auftreten konnten.

Ebenso ein Zufallsprodukt: Viagra

Gäbe es das Medikament der Firma Pfizer nicht seit dem Jahre 1996, so müsste es wohl noch erfunden werden: Das Potenzmittel Viagra hat seither einer Menge Männern mit Erektionsstörungen helfen können. Dabei wurde der künstlich hergestellte Wirkstoff Sildenafil zunächst als Mittel gegen Bluthochdruck an Menschen getestet. Da man keine zufriedenstellende Wirkung feststellte, sollten die Tests wieder eingestellt werden. Dagegen hatten einige Testpersonen jedoch überraschenderweise Einwände. Sie wollten das Mittel weiter nehmen. Die Forscher erfuhren dann in Gesprächen mit den Testern von der unerwarteten Nebenwirkung.

Die zufällige Erfindung der Post-Its

Im Jahre 1968 wollte Spencer Silver von der Firma 3M einen neuen Superkleber erfinden, der stärker als alle bisher da gewesenen Klebstoffe sein sollte. Heraus kam eine Masse, die zwar klebte, sich aber auch leicht wieder ablösen ließ. Das einzige zunächst daraus entstandene Produkt war eine Pinnwand ohne Pins. An der Platte, die mit dem Kleber beschichtet war, konnten Zettel angeheftet werden. Sie fand jedoch keinen Absatz und verschwand somit wieder vom Markt. Erst 1974 erinnerte sich Art Fry, Mitglied eines Kirchenchores, an die Erfindung seines Kollegen. Da ihm ständig seine Lesezeichen aus dem Liederbuch fielen, besorgte er sich den Kleber aus dem Labor und trug ihn auf die Zettel auf. Die Post-Its waren erfunden und wurden, zunächst in Kanariengelb, ein Welterfolg.

Ein Abfallprodukt der Kältemittelforschung: Teflon

Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum stammt Teflon oder PTFE (Polytetrafluorethylen) nicht aus der Weltraumforschung. Bereits 1938 experimentierte der Chemiker Roy Plunkett mit fluorhaltigen Kohlenwasserstoffen auf der Suche nach einem neuen Kältemittel für Kühlschränke. Heraus kam eine krümelige Substanz, die mit nichts reagierte und deren Herstellung enorm teuer war. Wie mit vielen anderen revolutionären Erfindungen auch, wusste man mit dieser zunächst nichts anzufangen. Im Jahre 1943 fand PTFE schließlich im Kernwaffenbau Verwendung. Auf der Suche nach einem geeigneten Behältnis für das extrem korrosive Uranhexafluorid erinnerte man sich an das durch Polymerisation künstlich hergestellte Material. Und wie so oft erlebte auch hier eine Erfindung erst mit der Verwendung in ganz alltäglichen Dingen ihren Durchbruch: In den 50er Jahren beschichtete der französische Chemiker Marc Grégoire seine Angelschnur mit PTFE, um sie leichter entwirren zu können. Wenig später kam seine Ehefrau Colette auf die geniale Idee, Töpfe und Pfannen damit zu beschichten, damit das Essen nicht anbrennt.

Serendipity in der Informationswissenschaft

Heute wird der Begriff Serendipity vor allem in der Wissenschaft verwendet, insbesondere in der Informationswissenschaft. Dort bezeichnet er das Maß für die Fähigkeit eines Informationssystems, in der Menge der nicht zutreffenden Suchergebnisse nützliche Informationen zu finden. Berücksichtigt werden dabei alle brauchbaren Dokumente, die nicht dem eingegebenen Suchargument entsprechen. Um den Wert für die Serendipität zu ermitteln, werden diese zu den erhaltenen nicht brauchbaren Dokumenten ins Verhältnis gesetzt. Derartige Informationssysteme sind z. B. das Internet, aber auch Datenbanken und Bibliotheken. Das Serendipity-Prinzip kann also auch auf den allzu bekannten Zustand angewendet werden, in dem sich der User befindet, wenn er beim browsen vergisst, was er ursprünglich gesucht hat und sich plötzlich auf ganz anderen, aber umso interessanteren Seiten, als den ursprünglich gesuchten wiederfindet.

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