Wer erfand das Bier

bier

Allerlei Wissenswertes rund um den Gerstensaft. Nicht nur Homer Simpson und Waldemar Hartmann gehören zu seinen Liebhabern: Bier ist ein traditionsreiches, vielfältiges und in Maßen durchaus gesundes Getränk. Bier, das flüssige Brot

Auch wenn die Europäer heute beim Pro-Kopf-Verbrauch an Bier führen, die ältesten Hinweise auf das Getränk stammen aus Mesopotamien: In Bildern und Keilschriften der Sumerer um 4000 vor Christus ist Bierkonsum erstmals belegt. Die Entdeckung des ersten Bieres geht wahrscheinlich auf vergorenen Brotteig zurück. Der Prozess wurde im Folgenden bewusst herbeigeführt und die ersten Brauereien entstanden.

Das flüssige Brot und seine Geschichte

Ob nun ein schlauer Kopf oder ein fauler Bäcker das Bier erfunden hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Tatsache ist jedoch, dass der Gerstensaft schon bald auf Baustellen genossen wurde: Die Arbeiter bei den ägyptischen Pyramiden um 2500 vor Christus hatten Anspruch auf eine karge, aber deftige Brotzeit: Brot, Zwiebeln und zwei Krug Bier. Und in einer der ältesten Gesetzsammlungen der Welt, dem Codex Hammurapi (ca. 1700 v. Chr.), finden sich detaillierte Bestimmungen betreffend die Herstellung und den Verkauf von Bier.

Erste Zeugnisse einer deutschen „Bierkultur“ stellen Amphoren aus der Hallsteinzeit (um 800 v. Chr.) dar. Im Mittelalter taten sich dann vor allem die Mönche als Braumeister hervor. Der nahrhafte Gerstensaft half ihnen nicht nur über die Fastenzeit, er wurde auch vielfach als Heilmittel eingesetzt – so sprachen beispielsweise Hildegard von Bingen (1098-1179) und Paracelsus (ca. 1493-1541) der „cervisia“ eine Vielzahl positiver medizinischer Wirkungen zu. Generell wurde aufgrund der schlechten Trinkwasserqualität im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sehr viel Bier getrunken, allerdings besaß dieses einen geringeren Alkoholgehalt als heute.

Reinheitsgebot und Herstellung: Hopfen, Malz, Hefe und Wasser

Wegen seiner starken Verbreitung stellte und stellt Bier einen wichtigen Marktfaktor dar. Um die Preise zu regulieren, aber auch um den Zusatz bedenklicher Zutaten wie beispielsweise Bilsenkraut oder Tollkirsche zu unterbinden, erließ Herzog Wilhelm IV. von Bayern 1516 das Bayerische Reinheitsgebot: Dieses schreibt die ausschließliche Verwendung der Zutaten Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser vor. Das Bayerische Reinheitsgebot wird oft als die älteste lebensmittelrechtliche Bestimmung bezeichnet und wurde 1906 in leicht abgewandelter Form – so sind für obergäriges Bier auch andere Malzsorten gestattet – in die deutsche Gesetzgebung aufgenommen.

Doch wie entsteht Bier eigentlich? Die Herstellung durchläuft mehrere Schritte: Zunächst wird Getreide durch die Zufuhr von Wasser, Wärme und Sauerstoff zum Keimen gebracht. Bei diesem sogenannten Mälzen wandelt sich die Stärke in Zucker. Anschließend wird das Malz bei 80-100 °C einem Trocknungsprozess (Darren) unterzogen. Die eingesetzte Temperatur beeinflusst später maßgeblich Farbe, Aroma und Geschmack des Bieres. Im Brauprozess wird das geschrotete Malz nun mit Wasser angerührt, erhitzt und gefiltert. In der Sudpfanne wird die Maische mit dem Hopfen gekocht, erneut geklärt und Hefe zugesetzt. Diese wandelt den Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure um. Nach einer mehrwöchigen Lagerung und der Filtration erfolgt die Abfüllung – fertig ist das genussfertige Bier.

Vielfalt und Kategorisierung von Bier: Pilsener, Schankbier, Weizen und Kölsch

Ob Familienbetrieb, Klosterbrauerei oder Großkonzern: In Deutschland existiert eine beachtliche Anzahl von Brauereien, die insgesamt an die 5000 verschiedene Biere anbieten. Angesichts einer solchen Vielfalt benötigt es fast eine Wissenschaft, um den Überblick zu behalten. Dementsprechend unterscheidet man zunächst zwischen den drei Biertypen Pilsener, Dortmunder und Münchner Typ sowie den beiden Bierarten ober- und untergärig. Der Gattungsbegriff wird bei Schankbier, Vollbier, Bier mit niedrigem Stammwürzegehalt – dieser entspricht dem Malzextrakt vor der Gärung und wird zu ungefähr einem Drittel in Alkohol umgewandelt – sowie Starkbier angewandt. Auf der untersten Ebene werden an die 40 verschiedene Biersorten wie Weizen, Alt, Kölsch oder Export unterschieden.

Das Bier und die liebe Gesundheit: Hopfen und Malz, Gott erhalt´s

In Maßen genossen ist Bier ein durchaus gesundes Getränk: Der in ihm enthaltene Alkohol erhöht den Anteil bestimmter Lipoproteine, die für den Cholesterinabbau von Bedeutung sind. Gleichzeitig stimuliert Alkohol den Abbau von Fibrin. Cholesterin führt zu Ablagerungen in den Arterien, Fibrin bildet Gerinnsel in den Blutgefäßen – beide stellen somit Risikofaktoren für einen Herzinfarkt dar. Weitere gesundheitsfördernde Wirkungen bringen die im Bier enthaltenen Polyphenole und Hopfenbitterstoffe mit sich: Besondere Aufmerksamkeit erfuhren in letzter Zeit Flavonide des Hopfens wie Xanthohumol und Isoxanthohumol, die antikanzerogen und entzündungshemmend wirken. Bier ist obendrein reich an B-Vitaminen, natriumarm und besitzt im Vergleich mit Spirituosen eine sehr niedrige Alkoholkonzentration. Aufgrund seiner isotonischen Wirkung wird (alkoholfreies) Bier inzwischen auch als Sportgetränk vermarktet. Wo soviel Licht, da ist Schatten nicht weit: Alkohol und Purine im Bier können beispielsweise längerfristig zur Entstehung von Gicht beitragen. Und das offiziell empfohlene Maß ist schnell überschritten – Alkoholmissbrauch ist in Deutschland weit verbreitet. Er kann zu schweren körperlichen Erkrankungen und in die Sucht führen.

Übrigens: Den höchsten Pro-Kopf-Bierkonsum weltweit hat Tschechien, gefolgt von Irland und Deutschland an dritter Stelle. Erst an neunter Stelle erscheint als nichteuropäisches Land Australien. Und: Der Bierbauch gehört – streng genommen – ins Reich der Legenden. Bier hat (allerdings stark variierend nach der Sorte) mit ungefähr 430 kcal annähernd die gleiche Kalorienzahl wie Kola und besitzt darüber hinaus keine besonderen „Fettmacher“. Es wirkt allerdings stark appetitfördernd.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.