Wer erfand den Bikini

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Der Bikini. Skandal, Provokation und Anlass zur Verzweiflung. Ein Zweiteiler mit zweifelhaftem Namen löste 1946 Entrüstung aus.

Louis Reard war eigentlich ehemaliger Autodesigner. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich auch um andere Formen tiefschürfende Gedanken zu machen. Am 5. Juli 1946 präsentierte er in Paris den Bikini und schaffte damit dreierlei: einen handfesten Skandel, die Rückbesinnung auf das ursprüngliche keusche Feigenblatt und zugleich ein Maximum an Erotik.

Reards Idee, sein Kleidungsstück nach dem ersten Atombombentest der Nachkriegszeit am 1. Juli 1946 über dem Bikini-Atoll zu benennen, brachte in explosiver und skandalträchtiger Weise die während der Kriegsjahre unterdrückte Lust nach Leben, Freizügigkeit, verspielter sexueller Energie und Abenteuer zum Ausdruck. So war der Bikini von Anfang an viel mehr als ein provozierendes Kleidungsstück, gegen das Moralapostel und selbsternannte Sittenwächter anfangs Sturm liefen.

Zwei Designer: eine Idee

Jacques Heim, ein anderer Modemacher aus Cannes, hatte zur gleichen Zeit in seinem Geschäft in Cannes einen Zweiteiler mit dem Namen „Atom“ im Angebot. Die Frage, wer von ihnen denn nun der Erfinder des dürftigen Badekostüms ist, verdient kaum Beachtung. Zum einen konnten beide Designer auf jeden Fall sicher sein, dass ihre Entwürfe für reichlich Sprengkraft sorgen würden, zum anderen war die Idee des knappen Zweiteilers nicht gänzlich neu. Die Franzosen hatten sie lediglich neu präsentiert und in aufsehenerregender Weise vermarktet.

Nackttänzerin als Model

Die erste Bikini-Trägerin war die Nackttänzerin Micheline Bernardini. Angesichts der öffentlichen Entrüstung ließ sich zunächst kein anderes Model finden. Erst als die Filmindustrie Brigitte Bardot und Ursula Andress (in „James Bond jagt Dr. No“) in Bikinis auftreten ließ, änderte sich plötzlich die öffentliche Meinung und löste schließlich einen regelrechten Bikini-Boom aus. Der Zweiteiler galt zwar immer noch als ein wenig unzüchtig, aber die Anrüchigkeit hatte plötzlich Chic, und keine Frau mit hübscher Figur wollte sich weiterhin in einem Badeanzug alten Schnitts verstecken.

Bikinifigur

Und genau das stellt häufig ein Problem dar, denn der Bikini fordert gnadenlos die Bikini-Figur. Und wenn frau nicht gerade über Model-Maße verfügt (selten) oder schlanke siebzehn ist (geht schnell vorüber) oder von Natur aus dürr beziehungsweise erfreulich gut proportioniert (selten), klafft zwischen dem Wunsch nach modischer Badekleidung mit erotischem Pepp und der Wirklichkeit sehr bald ein tiefer, äußerst schmerzhafter Spalt aus kalter, gnadenloser Enttäuschung. Oder auch Entsetzen, wenn man den Kauf trotz Problemzonen gewagt hat und sich zu Hause im Spiegel betrachtet… Wohl kaum eine Frau hat nicht schon mal davon geträumt, den Urlaub am Strand diesmal ganz gewiss im knappen Zweiteiler verbringen zu können – zur eigenen Freude, weil die endlosen Bauch-Beine-Po-Übungen samt dazugehöriger Diät endlich Erfolg gebracht haben, um den Partner zu beeindrucken oder begehrliche Blicke Fremder einzuheimsen oder um den Neid anderer Frauen, bei denen die oben genannten Übungen noch nicht gefruchtet haben, zu spüren.

Dass nicht jede superschlanke Bikini-Schönheit automatisch Erotik, Temperament und Persönlichkeit ausstrahlt, ahnen zwar viele und wissen einige, aber wenn man die Wahl hätte, würde frau sich dennoch für knappere Körpermaße entscheiden, oder? So gehört der Bikini unzweifelhaft zu den Kleidungsstücken, von denen Frauen sich zu Maßnahmen herausgefordert fühlen, über die sie sonst vielleicht gar nicht nachgedacht hätten.

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